Erst Bürofläche reduzieren.
Dann Desksharing einführen.
Dann mehr Anwesenheit verlangen.
Und plötzlich braucht man eine App, um einen Schreibtisch in dem Büro zu bekommen, in das man kommen muss.
Ein zusätzlicher Bürotag besteht finanziell nicht nur aus der Fahrt. Ticket oder Sprit, vielleicht Parken, Mittagessen unterwegs und der Kaffee, der zu Hause nichts extra gekostet hätte.
Ein einzelner Tag wirkt klein. Vier oder acht davon im Monat sind irgendwann eine eigene Position im Budget.
Als ich neu im Team war, war ich ehrlich gesagt froh über die Bürotage.
Im Homeoffice hätte ich für jede kleine Frage jemanden anschreiben müssen. Im Büro habe ich irgendwann einfach rübergerufen: „Weißt du zufällig, wo das liegt?“ und zwei Minuten später war das Thema erledigt.
Nach ein paar Monaten brauchte ich das viel weniger.
Vielleicht ist genau das mein Problem mit festen Regeln: Derselbe Bürotag kann für einen neuen Kollegen ziemlich hilfreich und für jemanden, der seit sechs Jahren dort arbeitet, einfach nur 70 Kilometer Autofahrt sein.
Wenn ich einen Job mit zwei Bürotagen annehme, beeinflusst das auch, wie weit entfernt ich bereit bin zu wohnen.
Aus zwei Tagen später fünf zu machen ist deshalb mehr als eine kleine interne Regeländerung.
Der Arbeitsplatz bleibt derselbe. Mein Wohnort ist nur leider nicht genauso schnell verschiebbar.
Seit wir Desksharing haben, beginnt mein Bürotag manchmal damit, erst mal meinen Arbeitsplatz wieder zusammenzubauen.
Laptop anschließen. Zweiter Bildschirm erkennt nichts. Dockingstation einmal raus und wieder rein. Stuhl von jemandem auf 1,90 eingestellt.
Nichts davon ist schlimm.
Es ist nur lustig, dass ich zu Hause technisch gesehen inzwischen den zuverlässigeren Arbeitsplatz habe.
Wer morgens um acht am Schreibtisch sitzt, ist sichtbar.
Ob dabei die wichtigen Aufgaben erledigt werden, ist eine andere Frage.
Wenn Anwesenheit zur einfachsten Leistungskennzahl wird, besteht zumindest die Gefahr, dass das leicht Messbare wichtiger aussieht als das eigentlich Relevante.
Ich habe irgendwann angefangen, meine Arbeit ein bisschen nach Ort zu sortieren.
Wenn wir etwas diskutieren, gemeinsam an einem Problem sitzen oder jemand neu ist, gehe ich gern ins Büro.
Wenn ich zwei Stunden konzentriert an einer Sache arbeiten muss, bin ich zu Hause meistens schneller.
Deshalb irritieren mich feste Bürotage ein bisschen. Für mich ist das Büro eher ein Werkzeug als ein Wochenziel.
Manchmal ist es der richtige Ort. Manchmal eben nicht.
Wenn ein Team auf Hamburg, Köln und München verteilt ist, löst ein Bürotag das Entfernungsproblem nicht.
Dann sitzen drei Menschen in drei verschiedenen Büros und treffen sich weiterhin in Teams. Es sind nur drei Arbeitswege dazugekommen.
Ich bin im ersten Jahr fast nur im Homeoffice gewesen und fand das super. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich von manchen Kollegen zwar wusste, welches Ticket sie gerade bearbeiten, aber nicht, wie sie eigentlich so sind.
Seitdem gehe ich freiwillig ein- bis zweimal die Woche hin.
Für mich ist der Unterschied wirklich „freiwillig“. Wenn an einem Tag niemand aus meinem Team da ist und ich trotzdem erscheinen soll, wird aus dem sozialen Vorteil ziemlich schnell ein Arbeitsweg.
Mit einem festen Bürotag hätte ich deutlich weniger Probleme, wenn das Team denselben Tag nimmt.
Dann kann man Workshops, schwierige Abstimmungen und Mittagessen bewusst darauf legen. Präsenz ergibt für mich mehr Sinn, wenn tatsächlich jemand da ist, mit dem man präsent sein soll.
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